Müssen Demos gegen Nazis wirklich sein? Kann man die nich einfach mal wegignorieren?

Anlässlich der Diskussionen, die ich rund um die vielen Nazi-Demos in den letzten Jahren geführt habe, sind mir immer Ansichten untergekommen, de ich bewundernswert naiv finde.

Bewundernswert, weil sie zeigen, das es Menschen gibt, die unbetroffen von täglichem Nazi-Terror in ihrer heilen Welt leben und glauben, Nazis gingen schon weder weg, wenn man ihnen möglichst wenig Beachtung schenkt: „Die machen hat mal eine Demo, und dann wird schon wieder alles gut.“

Es wäre jetzt billig zu sagen, das hätten Millionen deutscher Juden damals auch gedacht (ich tus trotzdem, belasse es aber nicht dabei).

Vielleicht ein paar Dinge zu mir vorweg: Ich bin ein Anhänger der Theorien und Methoden von Martin Luther King und Mahatma Ghandi. Ich glaube, das politische Veränderung am besten und dauerhaftesten mit gewaltlosen Methoden erreicht werden. Schon lange und ohne Zweifel.

Da sich meine Beschäftigung mit der Geschichte jedoch nicht nur auf diese Themen beschränkte, habe ich unweigerlich auch vom Nationalsozialismus gehört. Und ich habe erkannt, das es Situationen gibt, in denen die Methoden des gewaltlosen Widerstands kläglich versagen. Versagen, weil sie darauf beruhen, das der Gegner einen gewissen Respekt vor dem menschlichen Leben hat.

Die Nazis aber haben es zu ihrem höchsten Prinzip erhoben, ihren Gegnern jede Menschlichkeit abzusprechen – als Basis für ihr Bemühen, ihre Gegner vollständig zu vernichten.

Gegen solche fanatischen Gruppen, für die die Vernichtung ihrern Gegner das höchste Ziel ist, helfen gewaltlose Methoden nichts. Das gilt für Nazis, aber auch für andere Gruppen wie religiöse (egal ob christlich oder muslimisch) und kriminelle Fanatiker.

Ich bin nicht mal für den Verbot von Nazis und Nazi-Parteien. Aber ich bin der Meinung, dass man der Gewalt der Nazis entgegen treten muss. Und wenn es die Polizei nicht tut (warum auch immer), dann müssen wir uns drum kümmern.

Es ist auffällig, das es am 1.Mai 2009 bei den einzigen Nazi-Demos, bei denen es keine Gegen-Demonstration gab (Dortmund + Rotenburg) zu Angriffen der Nazis auf die lokale und friedliche (folkloristische) DGB „Tag der Arbeit“-Veranstaltungen gab.

Auch ansonsten greifen Nazis eigentlich nur Schwächere oder wenn sie sich zahlenmäßig überlegen glauben. Ihre Aufmärsche sind deshalb weniger politische Demonstrationen, bei denen es um Inhalte geht (fragen sie mal einen durchschnittlichen Teilnehmer, er wird bestenfalls die einfachsten Parolen wiederholen können), sondern vielmehr eine Drohung an alle potentiellen Opfer: Wehe euch, wenn wir euch allein erwischen.

Und natürlich bietet so ein Aufmarsch eine gute Gelegenheit, auch mal ein paar Ausländer abzugreifen, oder ein paar Punks halbtot zu schlagen, wenn die Polizei gerade mal nicht hinschaut (sie kann ja nicht überall gleichzeitig sein). Wie neulich auf der Autobahn-Raststätte:Neonazi-Gegner wurden auf dem Weg nach und von Dresden an Raststätten Opfer brutaler Attacken. Die Polizei kannte die Routen – und war erst vor Ort, als es zu spät war: Polizei verpasst Neonazi-Busse

Inzwischen fühlen sich die Nazis sogar stark genug, um Polizisten anzugreifen (sofern sie selbst in der Überzahl sind).

Hier liegt übrigens auch ein entscheidender Unterschied zur sogenannten „Linken Gewalt“ (obwohl es sich dabei in der Regel nicht um Linke, sondern durchgeknallte Machos handelt, aber auch von Zivilpolizisten sind schon Angriffe ausgegangen): Ein einzelner Polizist am Rand einer linken Demo hat überhaupt nichts zu befürchten. Und selbst ein Nazi muss nicht um sein Leben fürchten.

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Müssen Demos gegen Nazis sein? Ja, denn die Polizei kann nicht alle Menschen schützen. Daher ist es wichtig, das sich jedem organisierten Auftreten von Nazis möglichst viele Menschen entgegenstellen. Das nicht zu tun, hieße, einzelne ihrem (wohl möglich tödlichem) Schicksal zu überlassen.

Dabei ist es wichtig, das das friedlich passiert, denn nur so kann dem Rest der TV-gleichgeschalteten Bevölkerung der Unterschied zwischen Nazis und antifaschistischen Demonstranten deutlich gemacht werden. Unbenommen jedoch davon ist das Recht auf Selbstverteidigung. Wenn Nazis Einzelne Angreifen, müssen wir einschreiten, auch wenn die Polizei hinterher wieder einmal behauptet, die Gewalt sei von den Linken ausgegangen.

Daher: Mitmachen!

„Naziaufmärsche verhindern, ist wie Müll raus bringen – irgendwer muss die Scheiße ja machen!“

2 Gedanken zu “Müssen Demos gegen Nazis wirklich sein? Kann man die nich einfach mal wegignorieren?

  1. Schön, dass das so mal gesagt wurde.
    Bin da wirklich ganz deiner Meinung. Nichts tun ist, auch wenn es schön wäre, wenn wir so mit Erfolg protestieren könnten, bei Nazis leider wirklich nicht der Fall.
    Ich bin immer gerne dabei, wenn es darum geht, zu zeigen, dass man ihre Gewalt so nicht akzeptiert und dass es genug gibt, die sich von ihren dumpfen Parolen absolut nicht angesprochen fühlen.

    Gefällt mir

  2. Mal ehrlich, ihr habt schone eine ziemliche Nazi-Paranoia. So inflationär, wie ihr mit dem „Nazi“-Begriff umgeht, wäre es genauso, als wenn man euch als „rotlackierte Nazis“ (nach Kurt Schumacher) bezeichnen würde.
    Und die angeblichen Angriffe von „Nazis“ auf ach so friedliche Demonstrationsgegner und rote Gewerkschafter halte ich solange für Propaganda, solange es dafür nicht einwandfreie Belege gibt (zumal ich darüber was ganz anderes gelesen habe). Ich selbst weiß, dass ihr nicht weniger gewaltbereit seid, aber im Gegensatz zu den ach so bösen Rechten von Medien und Politik geschont und hofiert werdet.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s