Lasst auch die Kinder wählen !

Wahlen auch für JugendlicheAb welchem Alter soll man wählen dürfen? Immer mehr Menschen denken, dass die Festlegung des Wahlalters auf 18 Jahre willkürlich ist. In Bremen darf zur Bürgerschaftswahl ab 16 Jahren gewählt werden, ebenso bei bei den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) in Berlin.

In Artikel 20 des Grundgesetzes heißt es: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Kinder und Jugendliche vom demokratischen Entscheidungsprozess auszuschließen, halten daher einige Menschen nicht nur für ungerecht, sondern sogar für verfassungswidrig. Allerdings wird der Artikel 20 in Artikel 38 eingeschränkt, in dem festgeschrieben ist, dass man erst ab 18 wählen darf. Dieser kann jedoch jederzeit mit einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag und mit der Zustimmung des Bundesrates geändert werden.

Das beliebteste Argument gegen ein Wahlrecht für Kinder & Jugendliche ist, dass diese noch nicht die Urteilsfähigkeit und das Wissen hätten, um wie Erwachsene wählen zu könnten. Doch wie erreichen Jugendliche plötzlich mit 18 Jahren Urteilsfähigkeit und Wissen? Gott gegeben? Es fällt quasi vom Himmel?

Wir erlauben Jugendlichen bereits früher, einer Arbeit nachzugehen, bei E-Bay Geschäfte zu tätigen, sich in der Handhabung militärischer Waffen ausbilden zu lassen, sogar ein Motorrad und zum Teil sogar ein Auto zu fahren. Biologisch können sie mit 14 Jahren bereits Kinder zeugen – und nicht wenige tun das (auch wenn viele Erwachsene es gut fänden, wenn man das verbieten könnte).

Das sind alles Dinge, bei denen man viel mehr Schaden anrichten kann, als mit einer Stimmabgabe alle 4 Jahre. Wir übertragen ihnen also zum Teil schon sehr große Verantwortung im realen Leben, erklären sie aber politisch für komplett unmündig.

Dagegen kann man bei vielen Menschen über 18 durchaus anzweifeln, ob sie über die Urteilsfähigkeit und das Wissen verfügen, um an der politischen Willensbildung teilnehmen zu können. Viele Wahlergebnisse sind gar nicht anders zu erklären. Auch die Tatsache, dass in manchen Wahlkreisen auch ein Sack Reis gewählt wird, wenn er nur das richtige Parteibuch hat, war sicher nicht im Sinne der Väter des Grundgesetzes.

Urteilsfähigkeit und Wissen hängt also nicht vom Alter ab. Im Gegenteil: Viele Jugendliche kennen sich sogar besser mit Politik aus, als ihre Eltern. Weil sie die Zeit haben und das Interesse dafür aufbringen. Später wird das schwieriger – wenn Beruf und Familie die Zeit auffressen. Und wenn es an die wirklich „wichtigen“ Themen geht: Das Zusammenspiel von globalen Märkten, Inflation, Arbeitslosigkeit, Börsenkursen und Wöhrungsschwankungen verstehen oft ja nicht mal die Berufspolitiker. Aber: Ist das ein Grund, nur noch Volkswirte wählen zu lassen?

Das Jugendliche und Kinder durchaus politisch denken und handeln habe ich hier ja schon an Beispielen aufgezeigt:

Analyse der U18 Wahlen

Peto statt Veto: Wie Jugendliche eine Stadt übernehmen

Natürlich stehen für Kinder und Jugendliche andere Themen im Mittelpunkt als für 40-jährige Berufspolitiker. Dass für letztere z.B. Tierschutz keine Rolle spielt, ist klar. Solche Unterschiede gibt es aber auch zwischen 20- und 80-Jährigen. Für letztere ist zum Beispiel die Staatsverschuldung als Thema weniger wichtig. Ist das ein Grund, die 80-jährigen nicht wählen zu lassen? Oder die 20-jährigen?

Es widerspräche auch dem Geist der Demokratie, Urteilsfähigkeit und Wissen zum Kriterium zu machen. Auch Dumme haben Interessen und Rechte und müssen zumindest die Gelegenheit bekommen, dieses durchzusetzen. Ob sie das dann auch nutzen, ist ihre Sache.

Deshalb bin ich ein entschiedener Vertreter eines Kinder- und Jugendwahlrechts. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wenn diese sich grundlegende Informationen selbst aneignen können. Das ist mit Abschluss der Grundschule durch die grundlegende Beherrschung der Techniken „Lesen“ und „Schreiben“ erreicht. Ob sie das dann (sinnvoll) nutzen, ist ihre Angelegenheit. Soviel Freiheit muss sein.

Lasst die Kinder einfach wählen! Und damit gut. Die Welt wird deshalb nicht untergehen – und sie wird davon auch nicht gerettet. Aber sie wird ein Stück fairer. Und vielleicht ein bisschen freundlicher.

 

Ein paar Links zum Thema:

Frauenwahlrecht – Kinderwahlrecht? Ein schlechter Vergleich von Antje Schrupp

Wahlrecht ab Null – von der ARD

Kinder an die Wahlurnen – Sollten Kinder wählen dürfen?

 

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Ein Gedanke zu “Lasst auch die Kinder wählen !

  1. ich selbst bin jetzt 30, interessiere mich seit kurzer Zeit wieder für die Politik. mit 14 war dieses Thema nur von kurzer Dauer interessant, da ich ja eh noch nicht wählen durfte. als ich dann im Wahlfähigen Alter war, haben sich andere Interessen entwickelt.
    Politik wurde innerhalb von 4 Jahren absolut uninteressant!

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