Monat: Juli 2011

10 Tage Google+ eine erste Bewertung und Ausblick

Jetzt bin ich nun schon ein paar Tage bei Google+ und es scheint mir ein guter Zeitpunkt mal ein Fazit zu ziehen.

1.) Super Oberfläche! State of the art im Web-Design und noch einen Schritt weiter. Google+ ist für Facebook von der Oberfläche her das, was Facebbook für MySpace war. Aufgeräumt, übersichtlich, parktisch, quadratisch, gut & auf das wichtigste beschränkt.

2.) Gezielte Kommunikation: Google+ löst ein Problem, was ich bei Facebook, Twitter, identi.ca, Xing, wkw, …habe: Ich kann nur an öffentlich kommunizieren oder mit Einzelpersonen. Mit den Kreisen bei Google+ kann ich dagegen zielgerichtet kommunizieren. Verringert das Grundrauschen. Gut.

Zwei Dinge fehlen jedoch noch:

a) Man kann Kreise nicht schachteln (also Kreis im Kreis). Das ist blöd.
b) Ich kann meine Kreise nicht öffnen, d.h. andere können nicht den gleichen Verteiler ansprechen wie ich – dadurch wird eine echte Diskussion verhindert.

3.) Persönliche Ansprache: Wie man Leute direkt / persönlich / privat ansprechen kann ist zu umständlich gelöst. Das ist bei Facebook & Twitter /identi.ca einfacher & besser

4.) Themenzentrische Kommunikation: Gar nicht möglich außer über Kreise (aber „Empfänger“ ist i.m.A. eine andere Dimension und zusätzlich mit Einschränkng aus 2a)

Bei Facebook ist es über Gruppen & Pages besser (wenn auch nicht optimal), die Hash-Tags bei Twitter / identi.ca sind eine coole und sehr simple Lösung. Hier hat Google+ noch ein echtes Defizit.

5.) Bei Xing liebe ich die Möglichkeit, mir zu Leuten private Notizen machen zu können – hab ich auf Google+ schon vermisst (gibts aber auf Facebook & Twitter / identi.ca auch nicht)

6.) Bei Google+ muss ich sehr viel scrollen (auf einen Blick sehe ich meist nur 2 Beiträge) ich kann mir nicht einfach mal schnell eine Überblick verschaffen.

Hier liebe ich die Beschränkung auf 140 Zeichen bei Twitter / identi.ca Weniger ist einfach mehr! Das drückt sich auch in der sprachlichen Qualität aus. Gute Wortwitze hab ich bei Google+ noch nicht gesehen, auf Twitter / identi.ca brech ich 1x /Tag Lachend zusammen.

7.) Die Leute: Auf Google gibts fast nur SEO- & Internet-Fuzzis – doch sehr, sehr Technik-lastig das Ganze – andere Themen kommen fast nicht vor. Man merkt deutlich, dass hier die Leute vor allem aus beruflichen Gründen ausprobieren. Internationales, Lokales, Kunst, Musik, Bücher, Fotographie, Politik, Flirt, Veranstaltungen … kommen nicht vor – und Humor fast nur durch Weiterleiten von Bildern & Videos.

Bisher bevölkert Google+ eine sehr spezifische Gruppe mittelalter Männer mit einem eingeschränkten Themenspektrum. Wer nicht dazu gehört, findet nur wenig, was reizt.

8.) Das Grundproblem fast aller sozialen Netze, dass sie sich in privatem Eigentum befinden und die Nutzer der Willkür des Betreibers ausgeliefert sind (ob nun Datenschutz, Nutzungsrechte, Funktionen, Mitgliedschaft,…) löst auch Google+ nicht. Im Gegenteil: Obwohl erst seit wenigen Tagen werden bereits die ersten Nutzer (ohne Begründung und gegen ihren Willen) wieder gelöscht.
So bleibt Social Media ein Spielzeug (für Endnutzer) oder Marketing- und Vertriebswerkzeug (für Unternehmen), was ernsthaftes Comittment und die Übernehme von Verantwortung verhindert. Die Bindung der Nutzer bleibt gering.

Company-driven Social Media ohne Rechte der Nutzer ist wie eine Shopping Mall – man geht hin, interagiert, spuckt auf den Boden, kauft was, man bleibt aber auch wieder weg, wenn ne andere Location gehypt wird.

Was wir brauchen, ist mehr wie ein Marktplatz, auf dem Netz-Bürger Rechte und Pflichten haben, aber auch gestalten können.

Mehr dazu (und zum Potential von Diaspora) aber in einem andern Posting.

Zusammenfassung: Google+ hat sich gute Features von verschieden sozialen Netzen zusammengesucht und unter einer ansprechenden Oberfläche vereint. Eine Revolution ist das aber noch nicht. Bestimmte Kommuniktionsbedürfnisse lassen sich weiterhin auf anderen Social Media Plattformen besser erfüllen.

Die Integration mit anderen Google-Produkten (Android, Chrome, Picasa, Maps, …) ist zwar praktisch, erhöht aber auch die Abhängigkeit von diesem Anbieter. Ist der Account weg, ist alles weg.

Nur wenige finden bisher auf Google+ die Leute, mit denen er/sie abhängen will. Google+ ist mehr ne In-Kneipe für Internet-Fuzzis, Facebook ist das Altstadtfest und Twitter der Park hinterm Kino, wo sich alle treffen, die noch Action suchen (und identi.ca der WLAN-Partykeller).

Was wird nun aus Google+? Hat es Zukunft?

Wer sich anderswo starke persönliche Netze aufgebaut hat, wird diese nicht einfach aufgeben und in die neue Welt auswandern. Dafür bräuchte es eine starke Motivation. Google+ ist bisher ein me-too Angebot, ohne Killer-Funktion, die ein Bedürfnis befriedigt, das bisher unbefriedigt ist.

Wenn Google hier nicht nachlegt, wird der Hype abflachen und Goggle+ (wie Xing) zum zweit- oder dritt- Netzwerk werden.

Korrektur & Entschuldigung

Gestern hat es im französischen AKW Tricastin (nördlich von Marseille) gebrannt (mehr Infos).

Bei der Suche im Netz nach weiteren Infos bin ich auch auf eine Seite gestossen, auf der berichtet wurde, dass Uran ins Trinkwasser gelangt ist und Einwohner der umliegenden Ort nicht gewarnt wurden.

Diese Information habe ich (inklusiv Link) natürlich sofort (und leider vorschnell) weiterverbreitet. Sie war zwar nicht falsch, aber sie bezog sich auf einen Unfall im Jahr 2008.

Dieses wäre leicht zu erkennen gewesen: Am Datum mitten auf der Seite, aber auch an der Nennung der falschen Wochentage im Beitrag selbst.

Leider habe ich dieses in der Eile nicht bemerkt und so falsche Informationen verbreitet.

Dafür möchte ich mich entschuldigen – besonders bei all jenen, die die Infos – vertrauend auf ihre Richtigkeit – auf diversen Kanälen weiterverbreitet haben.

Sorry!

Ich möchte mich auch bei all jenen Bedanken, die es bemerkt haben und mich anschließend auf meinen Fehler hinwiesen.

Thanks!

Es zeigt nur, dass eine gesunde Portion Misstrauen auch bei Informationen aus vermeindlich verläßlicher Quelle angebracht ist. Ihr könnt ja nicht wissen, wessen Infos, welche Drogen oder wessen Geld ich Morgen nehme.

Misstraut mir!

Oder um es mit Heinz Rudolf Kunze zu sagen:

Glaubt keinem Sänger!
ist meine erste und letzte Parole
Glaubt keinem Sänger!
schlachtet die Idole

Quelle: Glaubt keinem Sänger

P.S.: Eine Randbemerkung sei mir noch erlaubt: Es ist mir völlig unverständlich, wie ein AKW, das das Trinkwasser mit Uran verseucht (was ja eigentlich gar nicht passieren kann, so sicher wie die Dinger angeblich sind) auch Jahre später vom gleichen Betreiber betrieben wird, dem dann prompt ein Transformator explodiert (was ja auch nicht passieren sollte). Soweit zur Sicherheit von AKWs bei unseren direkten Nachbarn.

Siehe auch:

Tritt deinem Atomstrom-Anbieter in den Arsch und sag es mir

 

Anti-AKW-Bilder für eure Blogs

 

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