Kapitalistische Kommunikation

Wie unser Wirtschaftssystem unsere Kommunikation prägt:

A sagt zu B: „Ich finde die Idee schlecht“

1) Vom Wettbewerb geprägte Kommunikation:

B analysiert die Worte inhaltlich und registriert hier (zu Recht) Kritik. Kritik ist ein Angriff. Wenn B sich / die Idee jetzt nicht verteidigt, unterliegt er, verliert Ansehen, Prestige, Macht. Verteidigung lässt mehrere Strategien zu:

I) Inhaltliche Verteidigung: B erklärt, warum sein Plan der Beste ist und entkräftet alle Gegenargumente.

II) Inhaltlicher Gegenangriff: B erklärt warum die Position von A noch schlechter ist.

III) Entscheidungs-erzwingend: „So oder gar nicht“

IV)Meta-Angriff: B kritisiert die Kritik von A als schlecht begründet, kleinlich, peinlich, revisionistisch, reformistisch, …

V) Persönlicher Angriff: B greift die Person A an: Über ihre Ansichten, Erfahrungen, Alter, Geschlecht, sonstige Ansichten/Meinungen, beleidigend, ….

VI) Feinderklärung: B nimmt sich vor, A´s Ansichten bei nächster Gelegenheit auch zu kritisieren.

2) Solidarische Kommunikation:

B analysiert die Worte von A inhaltlich, intentional, emotional und Ergebnis-orientiert

Inhaltlich: „A äußert Kritik“

Intentional: Warum äußert B hier Kritik? Hat B einen anderen Plan? Oder will er auf Schwächen aufmerksam machen?

Emotional: Wie fühlt sich A gerade? Hat ihn vom Inhalt des Plans etwas berührt / verschreckt? Hat ihn etwas daran irritiert, wie ich den Plan dargestellt habe?

Ergebnis-orientiert: Wie weit würde A mir entgegen kommen, weit weit kann ich A entgegenkommen? Welche dritte Position gibt es, die uns beide zufrieden stellt.

Mögliche Antwort-Strategien:

I) Frage(n) um A besser zu verstehen

II) Schweigen: Um A zu weiteren Ausführungen zu veranlassen und/ oder Dritten die Gelegenheit zu geben, ebenfalls Stellung zu beziehen.

III) Re-Formulierung: Der Versuch, durch eine andere Darstellung / andere Worte, Zustimmungs-Hindernisse aus dem weg zu räumen.

IV) Abholend: A begründet, wie er zu seiner Einschätzung kommt und wie wichtig sie ihm ist.

V) Dialektik / Kompromis suchend: Ein Kompromiss-Angebot machen, auf Gemeinsamkeiten basierend Brücken bauen

VI) Re-Framing: Suche weiterer Alternativen

Vorraussetzung für solidarische Kommunikation ist allerdings, das ich mich nicht im Besitz der alleinigen Wahrheit glaube. Solidarische Komunikation funktioniert nur, wenn ich verschiedene Meinungen nicht nur aushalten kann, sondern tatsächlich davon ausgehe, das jemand anders auch Recht haben könnte und ich falsch liegen könnte.

Beobachtet mal, wie ihr und euer Umfeld wie ihr und euer Umfeld kommunizieren. Ihr werde feststellen, dass auch viele radikal Linke extrem Wettbewerbs-orientiert kommunizieren.

Ich habe beobachtet, das sich allein mit dem Versuch, solidarisch zu Kommunizieren, nicht nur bessere Ergebnisse erzielen lassen, sondern dass vor allem der Zusammenhalt einer Gruppe dramatisch und dauerhaft steigt.

Siehe auch:

England: Amateure am Werk

Springer hetzt jetzt auch gegen Piraten

taz verpixelt jetzt Werbung auf Sportfotos

Hartz.Streichung: 2 Tote

 

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4 Gedanken zu “Kapitalistische Kommunikation

  1. sehr interessanter ansatz!!
    beschäftige mich auch beruflich mit kommunikation und finde deine ideen ausbaufähig. das ist als lob gemeint, im sinne von: bleib dran! ich drück dir die daumen, dass piraten und andere davon lernen. werds mal weiterschicken an freunde^^

    lg oli

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  2. Interessante Analyse.

    Ich mache mal ein Beispiel:

    Der Bundesvorstand einer Partei kauft schlechte, proprietäre Software und zwingt möglicherweise Mitglieder, diese zu benutzen.

    Welche Antwort schlägst du im Sinne „solidarischer Kommunikation“ vor? 😉

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    1. Die Analyse bezieht sich auf die Diskussion zwischen irgendwelchen Menschen zur irgendeinem Thema. Da hilft „solidarischer Kommunikation“ sicher.

      Der Vorstand einer Partei wurde per Wahl legitimiert Entscheidungen zu treffen – insbesonders wenn es um rechtliche Verpflichtungen aus dem Parteiengesetz geht.

      Idealerweise sollte dabei zwischen Vorstand und Basis eine „solidarischer Kommunikation“ gepflegt werden.

      Was aber einem Vorstand gelegentlich nicht erspart auch unbeliebte Entscheidungen treffen zu müssen. Vor Allem, wenn Termine einzuhalten sind und jede Diskussion vorher ergebnislos verlaufen ist und noch Jahre dauern würde.

      Wer glaubt, dass er/sie/es ein besserer Vorstand wäre, muss sich für das Amt aufstellen lassen, einen besseren Plan mitbringen und durch „geeignete Kommunikation“ (Solidarisch, Populistisch, Küngel) mit den anderen Vereinsmitgliedern genügend Unterstützer für die Wahlen gewinnen. Bei Erfolg darf man dann entscheiden und sich anmotzen lassen.

      Man könnte natürlich den Vorstand abschaffen und alles basisdemokratisch ausdiskutieren. Aber das Gesetz sieht diese Variante (noch) nicht vor.

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    2. Hallo Bastiaan,

      hat etwas gedauert, bis ich zum antworten komme, ist soviel los derzeit.

      Eine Entscheidung ist erstmal keine Meinung, sondern das Schaffen von Tatsachen, insofern trifft das oben nicht so ganz. Und gegen Kritik an einer Entscheidung ist erstmal nix auszusetzen – solange sie die Grenze zum Angriff nicht überschreitet (das ist aber ein eigener Artikel).

      Solidarische Kritik würde aber Lösungs-orientiert sein: Was lernen wir daraus? Was können wir nächstes Mal besser machen? (Wohlgemerkt: Hinsichtlich des Entscheidungsprozesses, nicht der Software).

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