Einmal Nazi, immer Nazi?

Nah, see, we don’t like that. We like our Nazis in uniform. That way we can spot ‚em just like that. We’re gonna give you a little something you cant take off.

Deshalb ritzt Lt. Aldo Raine (Brad Pitt), Leiter einer jüdische Einheit hinter den feindlichen Linien in Nazi-Frankreich (im Tarantino-Film „Inglorious Basterds“), überlebenden Nazis mit dem Messer ein Hakenkreuz in die Stirn. Mit einer Hakenkreiz-Narbe will er sie für immer als Nazis zu kennzeichnen, auch wenn sie ihre Uniform ablegen sollten.

Heute ist man dazu übergegangen, Nazis nicht mehr gleich zu töten. Das allerdings schafft laufend Probleme, weil die meisten von ihnen absolut unbelehrbar zu sein scheinen. Selbst wenn man sie für Jahre ins Gefängnis steckt, werden sie hinterher meist schnell wieder rückfällig. Mancher mag das bedauern, aber so sind die Zeiten und im Großen und Ganzen ist das auch viel besser so.

Also hofft man heute, das sie von selbst zur Vernunft kommen, eines der Aussteigerprogramme besteigen oder steckt sich immer wieder in den Knast, nachdem sie andere Menschen verprügelt oder totgeschlagen oder totgetreten haben.

An mehreren Orten in Deutschland sind nun einzelne ehemalige NPD Mitglieder zu Mitgliedern der Piratenpartei geworden und haben dort Aufgaben übernommen – leider ohne ihre neue Partei über ihre politische Vergangenheit zu informieren. Das ist nicht richtig, insbesondere bei einer Partei, die Wert auf Transparenz legt.

Andererseits kann ich gut verstehen, dass man sich einer solchen Vergangenheit schämt – besonders, wenn man wirklich mit den Nazis gebrochen hat, weil man verstanden hat, für was für einen Scheiß die stehen.

Grundsätzlich sollten wir jeden Menschen freudig zurück in der Zivilisation begrüßen, der einer Nazi-Partei den Rücken kehrt. Und zwar egal, in welche Partei er dann eintritt.

Nun hat der Vorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, die NPD Mitgliedschaft in den zuletzt bekannt gewordenen Fällen als eine „Jugendsünde“ bezeichnet. Darf man das? Die Mitgliedschaft in einer Nazi-Partei so nennen?

Wer sich mit Jugendlichen auskennt, weiss, dass ein Jugendlicher besonders in der Pubertät zu ziemlichem Scheiß in der Lage ist. Dazu gehören Sachen, die deutlich schlimmer sind als eine Weile bei einer Nazi-Partei auf Mitgliederversammlungen zu gehen – und sei es nur um den linken oder grünen Papa zu provozieren.

Wenn man wirklich beurteilen will, wieweit jemand in Nazi-Kreise verstrickt war, bevor er ausgestiegen ist, dann muss man sich den Einzelfall ansehen. Jemand, der in diesem Zusammenhang andere verprügelt oder verletzt oder andere Straftaten begangen hat, kann sich nicht mit „Jugendsünde“ herausreden. Dagegen kann das Nachquatschen von Nazi-Propaganda durchaus unter Jugendsünde fallen.

Wollen wir hoffen, das Sebastian Nerz sich zunächst mit den Einzelfällen vertaut gemacht hat. Und dass sollten wir zu seinen Gunsten annehmen – denn eines der Grundprinzipien der Piratenpartei ist schließlich, sich nur zu Dingen zu äußern, von denen man auch eine Ahnung hat.

Sollte sich allerdings herausstellen, dass eine solche Überprüfung unterlassen wurde und die Aktivitäten der Betroffenen doch klar und nachprüfbar über Jugendsünden hiinausgegangen sind – dann wäre ein Rücktritt von Sebastian Nerz unumgänglich. Wegen Verstoss gegen piratige Grundprinzipien und Verharmlosung von Rechtsextremismus.

Wenn nun Abgeordnete anderer Parteien Nerz wegen seiner Äußerungen kritisieren, so müssen sie sich fragen lassen, ob sie in diesen Fällen besser recherchiert haben als der Bundesvorsitzende der betroffenen Partei. Falls ja, dann haben wir einen Anspruch auf diese Fakten.

Falls sie jedoch keine anderen Fakten vorweisen können, haben sie sich bis auf die Knochen blamiert. Denn dann haben sie – auf Inkompetenz basierend und die persönlichen Schicksale der Betroffenen ignorierend – aus rein parteipolitischen Gründen gegen die Piraten gehetzt und damit die Kritik der Piraten am politischen System einmal mehr mit einem Beleg beliefert.

Was die Betroffenen angeht: Lasst sie uns freundlich aufnehmen und ihnen Gelegenheit geben, sich in der Politik (und in Transparenz) zu bewähren. Gerade bei den diskussionfreudigen und sehr kritischen Piraten sind sie sicher gut aufgehoben.

Die einzige funktionierende Alternative dazu wäre die der Inglorious Basterds: Umbringen oder sie bis an ihr Lebensende kennzeichnen. Und das würden wir dann ja doch nicht wollen, oder?

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