Monat: November 2015

Kriegsgefühle

Sarah Wagenknecht (Die Linke) und Joachim Gauck (CDU) sind sich einig: Es herrscht Krieg. Krieg zwischen Frankreich und dem Islamischen Staat (IS).

Ob jetzt Frankreich mit seinen Bomben auf IS-Truppen (und vermutlich auch andere Menschen) in Syrien diesen Krieg begonnen hat, oder erst IS mit seinen Schüssen in Paris, will ich hier gar nicht diskutieren.

Denn die Wahrheit ist natürlich viel komplexer. Denn der IS hat – was inzwischen unbestritten zu sein scheint – seine Anschubfinanzierung von unserem (und Frankreichs) NATO-Partner USA erhalten. Und es ist vor allem Russland, das den IS bombardiert, in der Hoffnung, den sinkenden Stern des Diktators Assad aufrecht zu erhalten. Während unser (und Frankreichs) NATO Partner Türkei den IS unterstützt, um die Kurden zu schwächen, die wiederum – zusammen mit den USA und Großbritannien – Assad stürzen wollen.

KriegUnbestätigten Gerüchten zufolge (bei denen es sich auch um reine Propaganda handeln könnte) wird der IS auch von israelischen Militärberatern unterstützt und von Saudi-Arabien logistisch unterstützt.

Deutschland wiederum liefert Waffen (Panzer, Raketen, Maschinengewehre) sowohl an Israel als auch an Saudi-Arabien (und ein Dutzend andere Länder in der Region, die alle auch in den Konflikten mitmischen). Und wir kaufen unser Öl von Saudi-Arabien.

Hinter all diesen Konflikten und Bündnissen stehen diverse Wirtschafts- und Machtinteressen. Das hat nichts mit Gut und Böse zu tun, oder mit der einen oder anderen Religion oder Bevölkerungsgruppe. Die betroffenen Menschen haben nur die Wahl, sich von der gerade bei ihnen herrschenden Gruppe benutzen zu lassen – oder zu fliehen.

Wenn jetzt Hollande dem IS auch formal den Krieg erklärt, erklärt er ihn damit auch dem NATO-Partner Türkei und anderen Staaten, die ihn unterstützen? Stellt er sich damit auf die Seite Russlands und Assads? Und was bedeutet das für Deutschland und alle, die jetzt die französische Fahne schwenken? Und was ist mit der Ukranine?

Das letzte Mal, das die Interessenslagen so komplex waren, war vor rund hundert Jahren. 1914. Als Deutschland den 1. Weltkrieg begann. Das sollte man vielleicht beachten, wenn man starke Worte wählt, leichtfertig Kriege erklärt und Seiten wählt. Dann kann der Krieg ganz schnell aus Syrien und dem TV nach Deutschland kommen. Dann sind wir es, die plötzlich auch fliehen müssen. Vor atomarem Fallout.

Deshalb mein Appell an Frau Wagenknecht und Herrn Gauck: Lasst uns endlich aufhören, solche Konflikte mit starken Worten und Waffenlieferungen anzufeuern. Mehr Bomben werden weder den Hass verringern noch die Probleme lösen.

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Endzeit Jünger

Ich erinnere mich noch: Die Euro Einführung – sie würde Deutschland zerstören. Zumindest die Wirtschaftskraft. Vollständig. Es sei ein finsterer Plan, ausgeheckt von dunklen Mächten, die uns unser Geld wegnehmen wollen. Hyperinflation, Wirtschaftskrisen ungekannten Ausmaßes drohten, wenn wir uns auf diese Sache einließen. So jedenfalls behaupteten bestimmte Leute damals. Springers Hetzblatt schürte die Panik.

Was ist passiert? Wir fahren immer noch in den Urlaub, haben immer noch unsere Autos (bis auf die, die freiwillig drauf verzichten), kaufen Silvesterböller und industrielles Tierfutter für Millionenbeträge.

Dann kam Ebola – auch hier drohte der Untergang der Zivilisation, wenn wir nicht sofort unsere Grenzen schlossen und den Flugverkehr mit Afrika einstellten. Springers Hetzblatt schürte die Panik. Alle Schwarzen inhaftierten. Hart durchgriffen. Lange Diskussionen hier, in denen die gleichen Typen und Blogs den unmittelbar drohenden Untergang beschworen, die schon im Euro für Teufelszeug hielten. Pest-ähnliche Zustände wurden beschworen, Ängste erzeugt. Geschichten wurden erfunden und hier kritiklos weiter verbreitet.

Was ist passiert? Der Untergang ist ausgefallen. In einem nach dem anderen afrikanischen Land wird der Virus besiegt, durch simple Hygienemaßnahmen. In Deutschland ist niemand angesteckt worden. Nicht eine einzige Person!

Dann kam die Banken-Krise. Wirtschaftlich schon eine Herausforderung. Springers Hetzblatt schürte mal wieder die Panik.

Auch hier wurden nationalistische Parolen gegen bestimmte Länder gebrüllt – es würde Deutschland zerstören. Zumindest die Wirtschaftskraft. Vollständig. Es sei ein finsterer Plan, ausgeheckt von dunklen Mächten, die uns unser Geld wegnehmen wollen. Hyperinflation, Wirtschaftskrisen ungekannten Ausmaßes drohten, wenn wir nicht bestimmte Länder SOFORT aus der EU ausschließen würden. Lange Diskussionen hier, in denen die gleichen Typen und Blogs den unmittelbar drohenden Untergang beschworen, die schon im Euro und Ebola für den Untergang Deutschlands hielten. Es bildete sich sogar eine neue Partei gegen den Euro.

Was ist passiert? Bestimmte Länder sind immer noch in der EU, wir fahren immer noch in den Urlaub, haben immer noch unsere Autos (bis auf die, die freiwillig drauf verzichten), kaufen Silvesterböller und industrielles Tierfutter für Millionenbeträge. Noch ist das Problem nicht ganz gelöst, aber die Endzeit-Jünger langweilen sich bereits und sind weitergezogen. Wie auch die Partei, die sich doch dagegen gegründet – und Unrecht behalten – hatte.

Jetzt sind es plötzlich ein paar hunderttausend Vertriebene, die den Untergang bringen sollen. Bisher weniger als 1% der deutschen Bevölkerung entsprechend, die auch in ganz Europa verteilt werden könnten (dann vielleicht gerade mal noch 0,1%). Ich meine, die FPD hat mal 16% der Menschen für sich begeistert, und es trotzdem nicht geschafft, unsere Kultur zu zerstören – obwohl sie es probiert hat.

Und doch: Wieder schürt Springers Hetzblatt geschickt die Panik. Auch hier drohe der Untergang der Zivilisation, des christlichen Abendlandes, wenn wir nicht sofort unsere Grenzen schließen. Alle internieren. Hart durchgreifen. Jetzt droht angeblich sogar das Ende des christlichen Abendlandes, wenn nicht sogar viel Schlimmeres. Wieder die ersten Postings, es sei ein finsterer Plan, ausgeheckt von dunklen Mächten. Lange Diskussionen hier, in denen die gleichen Typen und Blogs den unmittelbar drohenden Untergang beschwören, die schon Euro, Ebola und Griechenland für das Ende Deutschlands hielten.

Und die Partei? Die gegen den Euro? Die hat den Euro ganz vergessen. Auch sie hat sich jetzt ganz auf dieses neue Thema gestürzt. Euro? Ach, vergiss es, gegen Flüchtlinge bringt mehr Wählerstimmen!

Mit dieser ganzen Vorgeschichte bekommt das Merkelsche „Wir schaffen das“ plötzlich eine ganz andere Dimension – da hängt ein *seuftz* dahinter – denn auch sie wird WIEDER in ihrer Partei mit den gleichen Typen die gleichen Diskussionen führen wie bei den anderen Themen. Sie kennt das schon. Und findet das vermutlich inzwischen ermüdend.

Und was wird passieren? Wir werden immer noch in den Urlaub fahren, werden immer noch unsere Autos haben (bis auf die, die freiwillig drauf verzichten), werden Silvesterböller und industrielles Tierfutter für Millionenbeträge kaufen.

Und dann? Dann kommt die nächste Herausforderung, die interessierte Medien und Politiker zur Endzeit aufblasen werden. Kann ich ja fast verstehen. Aber das die immer gleichen Idioten sich nicht langsam verarscht vorkommen, weil sie dem immer wieder nachlaufen, die Riesenpanik schieben und dann von der Realität lächerlich gemacht werden, das will mir nicht in den Kopf.

Und das sind die gleichen Menschen, die sich bei Themen, die wirklich viele Menschenleben kosten (Waffenexporte, Klimaveränderung, Umweltgifte durch die Industrie, …) nicht im geringsten aufregen. Die sind schließlich nicht Endzeit-tauglich. Und werden von Springers Hetzblatt nicht befeuert.

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Bibel oder Koran?

Ein geflohenes Gelehrten-Ehepaar aus Syrien wird in Dresden von Passanten beschimpft. Da erwidert die Frau:

„Warum beschimpft ihr uns? Wir sind Christen.“

Darauf wird mit der spöttischen Aufforderung, doch mal die Bibel zu zitieren, geantwortet. Die Frau zitiert auswendig eine längere Passage aus dem Koran. Die Passanten sind verblüfft und ziehen sich zurück. Doch der Mann fragt:

„Warum hast du nicht aus der Bibel zitiert? Das hätte uns in ernste Schwierigkeiten bringen können.“

Darauf erwidert die Frau:

„Wenn sie die Bibel wirklich gelesen hätten, würden sie uns nicht beschimpfen.“

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