Kriegsgefühle

Sarah Wagenknecht (Die Linke) und Joachim Gauck (CDU) sind sich einig: Es herrscht Krieg. Krieg zwischen Frankreich und dem Islamischen Staat (IS).

Ob jetzt Frankreich mit seinen Bomben auf IS-Truppen (und vermutlich auch andere Menschen) in Syrien diesen Krieg begonnen hat, oder erst IS mit seinen Schüssen in Paris, will ich hier gar nicht diskutieren.

Denn die Wahrheit ist natürlich viel komplexer. Denn der IS hat – was inzwischen unbestritten zu sein scheint – seine Anschubfinanzierung von unserem (und Frankreichs) NATO-Partner USA erhalten. Und es ist vor allem Russland, das den IS bombardiert, in der Hoffnung, den sinkenden Stern des Diktators Assad aufrecht zu erhalten. Während unser (und Frankreichs) NATO Partner Türkei den IS unterstützt, um die Kurden zu schwächen, die wiederum – zusammen mit den USA und Großbritannien – Assad stürzen wollen.

KriegUnbestätigten Gerüchten zufolge (bei denen es sich auch um reine Propaganda handeln könnte) wird der IS auch von israelischen Militärberatern unterstützt und von Saudi-Arabien logistisch unterstützt.

Deutschland wiederum liefert Waffen (Panzer, Raketen, Maschinengewehre) sowohl an Israel als auch an Saudi-Arabien (und ein Dutzend andere Länder in der Region, die alle auch in den Konflikten mitmischen). Und wir kaufen unser Öl von Saudi-Arabien.

Hinter all diesen Konflikten und Bündnissen stehen diverse Wirtschafts- und Machtinteressen. Das hat nichts mit Gut und Böse zu tun, oder mit der einen oder anderen Religion oder Bevölkerungsgruppe. Die betroffenen Menschen haben nur die Wahl, sich von der gerade bei ihnen herrschenden Gruppe benutzen zu lassen – oder zu fliehen.

Wenn jetzt Hollande dem IS auch formal den Krieg erklärt, erklärt er ihn damit auch dem NATO-Partner Türkei und anderen Staaten, die ihn unterstützen? Stellt er sich damit auf die Seite Russlands und Assads? Und was bedeutet das für Deutschland und alle, die jetzt die französische Fahne schwenken? Und was ist mit der Ukranine?

Das letzte Mal, das die Interessenslagen so komplex waren, war vor rund hundert Jahren. 1914. Als Deutschland den 1. Weltkrieg begann. Das sollte man vielleicht beachten, wenn man starke Worte wählt, leichtfertig Kriege erklärt und Seiten wählt. Dann kann der Krieg ganz schnell aus Syrien und dem TV nach Deutschland kommen. Dann sind wir es, die plötzlich auch fliehen müssen. Vor atomarem Fallout.

Deshalb mein Appell an Frau Wagenknecht und Herrn Gauck: Lasst uns endlich aufhören, solche Konflikte mit starken Worten und Waffenlieferungen anzufeuern. Mehr Bomben werden weder den Hass verringern noch die Probleme lösen.

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